Kurze Vorbemerkung

Die slowenische Literatur in Kärnten könnte man als Literatur der vier Generationen bezeichnen: die Generation von Exil, Verfolgung und Vertreibung zwischen 1920 und 1945, die Generation der mladje-Gründer und jene ihrer »Kinder« in den Jahrzehnten zwischen 1960 und 1990, und schließlich die Generation nach mladje. Alle finden sich mehr oder weniger im Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Ästhetik und Engagement, zwischen slowenischer und deutscher Sprache.

Zwei Jahreszahlen prägen diese Literatur im 20. Jahrhundert: 1920 und 1945. Der Ausgang der Volksabstimmung 1920, vor allem aber die Kärntner Politik gegenüber den Slowenen danach hat dazu geführt, dass ein Gutteil der slowenischen Intelligenz ohne Arbeit geblieben ist oder überhaupt das Land verlassen musste. Wie Johann Strutz in seinem Essay schreibt, konfrontierte »die Zeit zwischen 1918 und 1945 (…) in Kärnten vor allem die Angehörigen der Minderheit, insbesondere deren politische und kulturelle Intelligenz, mit einschneidenden Erfahrungen – Repression, Verfolgung, Vertreibung, Deportation, Tod oder Exil – und brachte die slowenische Kultur in den zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts an den Rand des Verstummens. Infolge dieser Situation war die slowenische Literatur in Kärnten gezwungen, in extremer Reduktion und sogar im Untergrund zu überwintern: in der formelhaften Sprache des Gebets, der Mündlichkeit, der Beschränkung auf den familiären Bereich und die intime Schrift des Tagebuchs«.
In solchen Verhältnissen konnte von Literaturproduktion kaum die Rede sein, jene die es gab, hatte vor allem nationalverteidigenden Charakter. Das Ende des Zweiten Weltkrieges schließt diese Epoche ab, nach dem Krieg erhielt das Slowenische durch den für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtenden zweisprachigen Volksschulunterricht sogar eine relativ gleichberechtigte Stellung. Die Gründung des slowenischen Gymnasiums im jahre 1957, praktisch zeitgleich mit der Abschaffung des verpflichtenden zweisprachigen Unterrichts, ist gleichzeitig auch schon der Höhepunkt dieser ursprünglich verheißungsvollen Entwicklung.
Erst in den 1960er Jahren erholte sich die slowenische Kultur nach den Jahren 1920–1945 soweit, dass ihr mit der Gründung der Literaturzeitschrift mladje ein Neubeginn auf literarischem Felde gelang, der auch vom Ästhetischen her den Ansprüchen einer Hochliteratur gerecht werden konnte. Die Zahl der Schreibenden nahm einen deutlichen Aufschwung.

In der älteren Generation zwischen 1920 und etwa 1955 finden wir folgende Namen: Fran Eller, Kristo Srienc, Anton Kuchling und Milka Hartman.
Es folgt ihr eine Generation, die teilweise persönlich durch Vertreibung und Kriegsgreuel geprägt ist: Janko Messner, Valentin Polanšek, Andrej Kokot sowie die mladje-Mitarbeiter der ersten Stunde Florjan Lipuš, Erik Prunč, Gustav Januš, Karel Smolle.
Einige sind später literarisch zwar verstummt, doch ihre Tätigkeit hat gemeinsam mit dem slowenischen Gymnasium die jüngere Generation auf den Plan gerufen: Jože Blajs, Jožica Čertov, Janko Ferk, Maja Haderlap, Franc Merkač, Kristijan Močilnik, Jani Oswald, Jozej Strutz und Stanko Wakounig.
Beide Generationen haben die sturmischen 1970er Jahre mit »Ortstafelsturm« und Minderheitenfeststellung miterlebt und aktiv mitgestaltet.
Unter den Schreibenden überwiegt die Lyrik, bei der Prosa nehmen Florjan Lipuš und Janko Messner eine Vorrangstellung ein.
In dieser Zeit gesellen sich der kärnterslowenischen schreibenden Zunft zwei ursprünglich aus Slowenien stammende, mittlerweile aber praktisch naturalisierte Literaturschaffende hinzu: Anita Hudl (die mittlerweile bereits verstorben ist) und Vinko Ošlak.
Die Vertreter der nächsten, eigentlich schon Post-mladje-Generation, Fabjan Hafner und Cvetka Lipuš, später Rezka Kanzian und Martin Kuchling haben sich bis auf letzteren der Lyrik verschrieben.
Vor allem bei den zwei letzten Generationen ist eine interessante Entwicklung zu verfolgen: fast alle schreiben in beiden Landessprachen, in slowenisch und in deutsch.