Über Erinnerungsprosa

Die Werke der Autorinnenn und Autoren, die wir in der Kategorie Erinnerungsprosa versammelt haben, sind ein Beitrag zum kollektiven historischen Gedächtnis der slowenischen Gesellschaft in Kärnten, sie sind also ein wesentlicher Teil der Identität des slowenischen Menschen in Kärnten.

Die ersten Erinnerungen reichen bis zum Ersten Weltkrieg und zur Volksabstimmung sowie in die Erste Republik Österreich zurück (Arnejc, Mohar, Trunk, Petek, Reichman). Zwei Werke treten hervor, die Niederschrift des »kleinen Mannes« Peter Mohar aus der Volksabstimmungszeit (Johann Strutz nennt sie ein »autodidaktisches Meisterstück«) und die autobiografischen Schriften des Politikers Dr. Franc Petek, der maßgeblich die Minderheitenpolitik in der Zwischenkriegszeit und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mitgestaltet hat.

Der Großteil der Erinnerungsprosa ist dem zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit gewidmet. Vor allem die Generation, die Vertreibung und Widerstand erlebt hat und dramatische und traumatische Lebenserfahrungen sammeln musste, meldet sich in den letzten zwanzig Jahren zu Wort: Anton Haderlap, Tone Jelen, Lipej Kolenik, Helena Kuhar-Jelka, Franc Kukovica, Tonči Schlapper, Reginald Vospernik. Bereits älter sind die erwähnenswerten Werke über diese Zeit von Mirko Kumer, Karel Prušnik-Gašper und Franc Resman.

»Diese autobiographischen bzw. dokumentarischen Werke sind (…) nicht nur Dokumentarliteratur, sondern lassen sich bis zu einem gewissen Grad als literarisierte (…) Darstellungen exemplarischer historischer und biografischer Situationen ihrer Autoren lesen.« (Strutz, Einleitender Essay)

Oder mit den Worten von Franc Zadravec: »Die Autoren der Erinnerungsprosa haben keine künstlerischen Ambitionen. Ihr Ziel und ihre Absicht ist die Mitteilung möglichst objektiver, erlebter Wirklichkeit unter Ausklammerung fiktiver Vorfälle: mehr Sachlichkeit, weniger Poesie. (…) Diese Texte sind naturgemäß stark autobiographisch, die Hauptperson ist der Schreibende selbst, mit allen ihn berührenden zeitlichen und räumlichen Begleitumständen und wichtigen Lebensstationen.« (Franc Zadravec, Die slowenische Literatur in Kärnten, 140)